Aufnahmen
31. 03. 2009 um 22:42 Uhr von ralfThalau und ich haben die letzten beiden Bandproben dazu genutzt, Aufnahmen zu machen. Wir haben uns einen Song vorgenommen, der “Alien” heisst und zu welchem wir noch uralte Pilotspuren auf Thalaus Laptop gefunden haben.
Wenn ich schreibe, dass wir Aufnahmen gemacht haben, dann heisst das, dass Thalau hinter seinem Mischpult samt MacBook gesessen hat und ich auf der anderen Seite zwischen zwei Mikrophonen und einem Haufen Kabeln gehockt und Teil für Teil eingespielt habe, immer und immer wieder.
Man kann sich diesen Aufnahmeprozess in etwa so vorstellen:
Um einen Song richtig aufzunehmen, bespielt man heute diverse Spuren, die später parallel und zeitgleich zusammengemischt und hörbar gemacht werden. Bei dieser Technik werden alle Spuren einzeln, getrennt voneinander aufgenommen und der Musiker hört jeweils schon die vorhandenen Spuren über einen Kopfhörer, um dann seine aktuelle Spur auf eine eigene Spur aufzunehmen, die sich dann in den Reigen der andern Spuren einreiht. Damit die Künstler sich orientieren können, nimmt man im Vorfeld sogenannte  Pilotspuren auf, sprich eine Aufnahme mit einem Metronom, zu welchen alle gleichzeitig einspielen. Später dann dient diese Blaupause als unsaubere, schmutzige Vorlage, über welche dann die einzelnen Spuren gelegt werden.
Um diesen Prozess möglichst langwierig zu gestalten, bzw. einen optimalen Klang zu erzielen, werden Spuren gerne auch mal gedoppelt. D.h., der Musiker spielt einen Teil 2, 3 mal “übereinander” ein und später dann, wenn der Song gemischt wird, werden diese Spuren im Panorama rechts, links, mittig verteilt, damit ein möglichst breites Klangerlebnis entsteht.
Nun ist es auch so, dass man aber in den seltensten Fällen ein Stück durchspielt… normalerweise stückelt man die einzelnen Teile zusammen, damit man mit unterschiedlichen Sounds experimentieren und sich auf saubere Pausen etc. konzentrieren kann.
So habe ich dann die letzten zwei Proben nur Refrains eingespielt sowie das Coda. Jeder Refrain beinhaltet jetzt schon vier Spuren à 2 Mikropfone, was insgesamt 8 Spuren macht. Dazu diverse Wiederholungen, weil ich mir irgendwo irgendwelche Verspieler geleistet habe. Es fehlen noch sämtliche Strophen, ein Teil des Intros sowie der erste Teil einer Brücke. Natürlich muss auch bei diesen Teilen noch fleissig gedoppelt und getrippelt werden, um die nötige Fettness, wie wir das gestern genannt haben, zu erreichen.Fettness, oder auch Phatnes (*gacker* - Thalau und ich hatten sehr viel Spass mit diesen Begriffen) sind nämlich für diesen Song von elementarer Bedeutung. Der Song lebt davon, sehr kompakt und brachial daher zu kommen, und braucht es eine Gitarrenwand, die einfach alles erschlägt.
Wenn ich mit dem Gitarrenteppich fertig bin, werde ich noch diverse Effektspuren einspielen. Eine sogenannte Attac-Spur in den Refrains für einen knackigen, akzentuieren Ton, diverse Wah-Wah-Gitarren als Singsang an der einen oder anderen Stelle etc.
Am Ende werden es 24 Gitarrenspuren sein, so Thalaus vorsichtige Schätzung, die übereinanderliegen, gemischt werden müssen, deren Klang durch diverse Effekte, Filter, Equalizer, Kompressor noch angepasst, verändert und verfälscht werden wird. Dazu noch 10 Spuren für das Schlagzeug, 2-3 Spuren für den Bass und 1-2 Spuren für den Gesang, zuzüglich auch hier wieder diverser Effekt-Spuren etc.
Am Ende summiert sich das dann auch vielleicht knapp über 60 Spuren, 20-30 Stunden Arbeit (mit mischen, mischen, erneut mischen und natürlich den Aufnahmen der Musik ansich) für ungefähr 6 Minuten Musik.
Das nur mal so am Rande, um einen Überblick zu geben, wieviel Arbeit eigentlich in einem Stück Musik stecken.
Ich bin zu faul, den Text nochmal Korrektur zu lesen…