quo vadis laos?

15. 06. 2006 um 13:23 Uhr von ralf

Dies ist ja ein Tagebuch, denkt man. Aber wir schreiben wenig über unsere Tage in dieser Band. Wird Zeit, dies mal zu ändern. Tatsächlich ist das aber nicht so leicht, wie man merkt, sobald man sich mit potenziellen Postings herumschlägt…

Unser Bandalltag besteht seit Monaten aus Treffen mit möglichen Sänger/innen. Fast jede Woche kommt jemand vorbei. Manchmal auch mehr als einmal. Allerdings ist es schwer, anschließend darüber etwas in unseren Blog zu schreiben, möchte man ja niemanden auf die Füße treten. Lügen mag man auch nicht, also müsste man meist sagen “Dat war wohl nüscht”. Naja, demjenigen haben wir das auch immer gesagt, allerdings muss man soetwas ja nicht öffentlich tun. Also schreibt man nichts wirklich wichtiges.

Aber was kann man unverfängliches über unsere Sängersuche schreiben? Nicht viel. Meist kommt jemand vorbei, singt eine paar Takte, und man hat eine Ahnung, ob das was werden kann oder nicht. Bei vielen hat man diese Vorstellung schon vor einem möglichen Besuch, nämlich wenn auf die Frage “Hast Du mal was zum anhören?” die Antwort kommt “Nee, das Tape hat der Bruder des Gitarristen, und der ist in Afganistan in einem Talibanausbildungslager… und Bla Bla Bla”. Da schalten wir schon mal ab. Andere schicken keine Gesangsproben sondern Fotos (allerdings sind das ausschließlich Frauen, die diesen Weg wählen). Das geht sogar weiter, wenn man diese Mails garnicht oder abweisend beantwortet (”Hier ein paar neue Fotos von mir und meiner neuen Frisur!”).  Leute, das interessiert einfach keinen, was für eine neue Frisur ihr habt, wir wollen Musik machen! Und wenn schon Fotos, dann bitte eindeutige, verdammt noch mal.

In der Regel läuft so ein Vorsingen bei uns so ab:
Er/sie/es kommt rein und wir machen etwas Smalltalk, so zur Lockerung. Die meisten sind so vekrampft, dass man zwischen ihren Arschbacken Kohle zu Rohdiamanten pressen könnte, und ich muss zugeben, dass ich dafür vollstes Verständnis habe. Gerade als Sänger/inn muss so eine Vorstellung extrem unangnehm sein.
Also spielen wir dann meist erstmal was alleine, damit derjenige mal hören kann, wie wir so spielen… und vor allem, wie laut. Den meisten entgleisen da bereits die Gesichtszüge. Wir haben nämlich einen ziemlich lauten Drummer, und das fordert Tribut. Im Anschluss spielen wir dann etwas gemeinsam. Spätestens dann, im Moment der Wahrheit, merken wir meist, dass wir zu laut sind. Jedenfalls zu laut für die meisten Sänger/innen.
Da, wo wir merken, dass es überhaupt nicht passt, sagen wir sofort unsere Meinung. Das ist in 90% der Fälle so, dass man gleich abwinken muss. Bei den restlichen 10% ist man unsicher. Also unterhält man sich eine Weile und schaut dann nach weiteren Kriterien, wie z.B. Vorstellungen vom Musizieren, Erfahrungen, Hobbies usw. Spätestens dann sind die Besucher meist deutlich lockerer als am Anfang. Also kann man mal eine weitere Runden spielen.

Hier merkt man dann in Ansätzen, was von der Stimme übrig bleibt, wenn man die Anfangsnervosität überwunden hat.
Bis vor kurzem war es so, dass bei fast allen anschließend Ende-Gelände war. Manchmal weiss man eben sofort, dass eine Zusammenarbeit nicht funktionieren würde.

Anfang des Jahres hatten wir zeitweise eine Sängerin, die uns zunächst überzeugt hatte, hoch motoviert war, es sich dann aber herausstellte, dass wir menschlich und von unseren Zielen nicht konform liefen, und auch das Gesangliche nicht unser Ding war. Die Erkenntnis, die wir daraus gewonnen haben, ist recht einfach: Wir sagen nicht mehr sofort zu. Man sollte erstmal ein wenig zusammenarbeiten, um dann festzustellen, wie die Zusammenarbeit so läuft.
Der Rest ist dann ein natürlicher Prozess. Man merkt dann, ob es menschlich und musikalisch hinhaut.

Und wo stehen wir jetzt? Jaaa, das ist eine gute Frage. Um es kurz zu machen:
Wir haben zwei Menschen kennengelernt, den einen früher, den anderen gestern. Beide haben sich als Sänger vorgestellt. Der erste kam als möglicher Sänger, und wird uns künftig als Gitarrist, Songwriter und Zweitsänger unterstützen, so zumindest meine persönliche Hoffnung. Alles deutet darauf hin, dass es menschlich wie musikalisch passt.

Der zweite kam gestern und konnte auf Anhieb auf die Dinge singen (!), die vorher alle anderen zur Verzweiflung getrieben haben. Tja, und das war schonmal eine positive Überraschung.

Also “quo vadis laos?” war die Eingangsfrage, und wenn man diese auch heute noch nicht abschließend bantworten kann, so kann ich vielleicht meine Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass vielleicht das letzte dreiviertel Jahr suchen doch nicht ganz umsonst war.

We will see :)

Ein Kommentar

  1. [...] wie ich diese Phrasendrescherei hasse! Warum ich’s dann trotzdem tue? Nun, gestern hat sich Bjoern seinen Amp abgeholt. Ralf äußerte zwar in einem früheren Posting… Der erste kam als möglicher Sänger, und wird uns künftig als Gitarrist, Songwriter und Zweitsänger unterstützen, so zumindest meine persönliche Hoffnung. [...]


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