Wunder …
25. 02. 2006 um 21:41 Uhr von ralf
‘… gibt es immer wieder…’ So (oder so ähnlich) könnte man wohl die Tatsache umschreiben, dass diese Band wieder unterwegs ist. Wohin unterwegs ist noch nicht so richtig erkennbar, aber wir haben uns abermals auf den Weg gemacht, und das ist das Wunder. Ein Wunder ist auch, dass wir seit Monaten konstant arbeiten, ohne uns an die Gurgel zu gehen und scheinbar einen Weg gefunden haben, wieder Musik zu schreiben.
Seit Sommer 2003, wo wir vor unserer Trägheit und Lustlosigkeit kapitulieren mussten, hat sich einiges verändert. Personell wie musikalisch. Aber eins nach dem anderen.
Frühjahr/Sommer 2003
Irgendwie hatten wir alle keinen Bock mehr. Wenn wir uns im Bandraum getroffen haben, dann nur so, ohne unsere Instrumente auszupacken. Wir konnten auch nichts gescheites mehr schreiben. Wir sind mit nichts zufrieden, am wenigstens mit uns, aber das Schlimmste ist wohl, dass es uns auch nicht sonderlich juckt. Matthias macht das, wozu uns anderen der Mut fehlt, nämlich aussteigen. Wir verbliebenen können ihm nicht mal böse sein, und stellen einmütig fest, dass es das jetzt wohl gewesen ist, zumal uns der Bandraum gekündigt wird.
Kein Abschiedskonzert, kein Gelage, nichtmal ein ‘Machts gut und auf Wiedersehen’. Mit einem Mal ist es einfach vorbei.
Sommer 2005
Die letzen 2 Jahre habe ich mich nicht eine Minute mit Musik-machen beschäftigt. Das ganze Instrumentengerümpel fristet im Keller sein trostloses Dasein. Mit einem Mal ist da diese fixe Idee da. Man könnte sich ja einen Bandraum suchen und wieder Musik machen. Kann ich das noch? Können die anderen das noch? Und viel wichtiger: Haben die anderen überhaupt Lust? Ich frage Daniel und der sagt spontan ja, er hätte Lust. 2 Minuten später rufen wir Thalau an und erklären seinem Anrufbeantworter unseren verwegenen Plan:
Wir suchen einen Bandraum und dann schauen wir mal. Nils fragen wir noch nicht. Wir wollen die Wellen nicht zu hoch schlagen lassen. Tatsächlich meldet sich Thalau am gleichen Tag zurück, und wir ergooglen uns diverse Bandraumvermieter in Berlin und schreiben ein paar Mails. Ob wir wirklich wollen oder können (oder sollten), hinterfragen wir nicht. Wenn wir drei die Idee gut finden, kann sie ja nicht so schlecht sein.
Kurze Zeit später besichtigen wir den ersten Bandraum, für den wir dann später einen Mietvertrag machen.
Habe ich bisher die Idee für unwirklich gehalten, wird sie jetzt sehr real, wo ich das erste mal diesen seltsamen bandraumtypischen Geruch in der Nase habe.
Herbst 2005
Wir sind eingezogen und haben alles aufgebaut. Die ersten Klänge aus unseren Verstärkern sind wie Balsam. Das hatte also gefehlt, diese seltsame Kraft des Musizierens. Wir sind wohl alle etwas unbeholfen, was unsere Instrumente angeht. Thalau ist nach einer halben Stunde Probe erstmal fertig. Meine Finger schmerzen auch ungewohnt früh. Trotzdem klappt es besser als erwartet. Vermutlich ist ein Instrument spielen ähnlich wie Fahrad fahren.
Wir fragen Nils und Jens, ob beide wieder Interesse haben, bei uns einzusteigen. Haben sie aber nicht. Matthias ebensowenig.
Na gut, dann machen wir eben das beste aus der Situation. Wir schreiben Songs, werfen diese wieder weg, tüfteln an Fragmenten und Strukturen, laden Sänger/Innen ein und wieder aus, erproben Aufnahmetechniken und genießen wieder das gemeinsame spielen. Das uns der passende Gesang fehlt, stört uns nicht. Wir wissen uns trotzdem zu beschäftigen.
Im Vergleich zu früher ist alles anders. Wir brüllen uns nicht an, streiten nicht über Ideen, langweilen uns nicht und gehen mit einer gewissen Lässigkeit an die Sängersuche.
Winter 2005/2006
Auch nach 3 Monaten ohne Sänger wird es nicht öde im Bandraum. Wir haben nun die Möglichkeit, Aufnahmen zu machen. Richtige Aufnahmen mit vielen Spuren, Effekten und allem was dazugehört. Und wir müssen nicht stunden- oder tageweise dafür bezahlen. Wir haben also alle Zeit der Welt.
Während wir an unseren Ideen basteln, suchen wir weiter nach einem passenden Gesang. Nur scheint uns niemand zu verstehen. Unsere Songs sind entweder zu laut, zu kompliziert, haben keine erkennbare Struktur oder sind einfach nur lau. “Da muss irgendwie mehr kommen”, heisst es einmal. Andere sind hellauf begeistert.
Nur wir sind es nie. Wir drei müssen uns nicht mehr großartig unterhalten. Es reichen in der Regel ein paar Blicke, und wir wissen was der jeweils andere über den ‘Sänger’, die ‘Sängerin’ denkt.
Lediglich zwei bis drei Kandidaten erscheinen auf einen ersten Blick interessant. Aber leider nicht mehr auf den zweiten.
Anfang 2006
Where Do You wanna Go Today?
Mal schauen.
r.